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Poysdorf Jazz & Wine Summer

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Der Kulturhackler 
Er ist bekannt wie das falsche Geld – von der Brünnerstraße bis New Orleans: Veranstalter, Musiker, Szenewirt und Wein-Koryphäe Erich Schreiber, der aus Prinzip immer auf mehreren Kirtagen gleichzeitig tanzt. Der Mann weiß aber dafür nur zu genau, was Stress bedeutet. Wie der Mister „Jazz & Wine“ in der relativ Hochkultur freien Zone Poysdorf vielfältige Projekte realisierte, ohne kommerzielle Kompromisse einzugehen und warum er sich im Vorjahr entschloss, die Organisation und die Abwicklung des sommerlichen Konzert- und Workshop-Reigens abzugeben.
Erich, du hast um dir als Veranstalter des renommiertesten Jazzworkshops in Niederösterreich sowie mit legendären Konzerten und Sessions im Schreiberstadl einen Namen gemacht. Wie kam`s?
Mit knapp 8 hielt ich meine erste Trompete in Händen und fand mich eineinhalb Jahre darauf in der Jugendtrachtenkapelle wieder. Bis mich schließlich mit 16 erste prägende Hörerlebnisse zum Jazz und zur klassischen Musik brachten -– Walter Richard Langer sei Dank. Mit einigen Freunden habe ich damals eine Band gegründet, die es bis heute gibt. Ab 1997 nahm ich alljährlich am Jazzworkshop in Innsbruck teil. Mehr aus einer Weinlaune heraus habe ich 1999 mit dem Veranstalter Henner Kröper die Idee geboren, so etwas in meiner Heimat zu veranstalten, ohne allerdings auch nur zu ahnen, wie man so etwas aufzieht. Aber ich war in meiner Begeisterung nicht mehr zu bremsen und so habe ich mit dem Sanktus und der tatkräftigen Mithilfe meiner Frau Monika im Sommer 2000 den ersten „Poysdorf Jazz & Wine Workshop“ auf die Beine gestellt.
Und wie war das beim ersten Mal?
Nachdem wir doch etwas blauäugig an die Organisation und die Finanzierung herangegangen waren, hat es noch zwei Wochen vor dem Start eher nach einem Desaster ausgesehen. Die Sponsorengelder und die Zahl der Anmeldungen hielt nicht ganz mit unserem Streben bestmögliche Qualität zu bieten, Schritt. Der erste Jazzworkshop war zwar mit 18 Teilnehmern sehr familiär aber doch ein tolles Erlebnis für alle Beteiligten, also wurde er zur fixen Institution. Aber ich musste damals 15.000 Schilling Lehrgeld aus meiner eigenen Tasche darauf legen.
War es eigentlich schwierig lokale Geldgeber, oder die Gemeinde als Unterstützer ins Boot zu holen, bzw. wie stand es um die Akzeptanz seitens der Bevölkerung, die dieser „Negermusik“ ja eher skeptisch gegenübersteht?
Ja, das war schwer. Denn im Weinviertel etwas Neues  zu kreieren, ist nie einfach. Zu Beginn hielten viele das Ganze schlicht für ein Schnapsidee, aber schließlich konnte ich doch genügend „Sympathisanten“ gewinnen.
Was waren aus deiner Sicht die Höhepunkte der Jazz & Wine-Summer, woran denkst du mit Freude, woran eher mit Grauen? 
Grauen? Nie! Für mich waren all die Jahre ein einziger Höhepunkt. Einzelne Konzerte oder Ereignisse heraus zu heben fällt mir da schwer ... 
Dein zweites Projekt, das Lokal Wino, hat einige Jahre später Gestalt angenommen und  du hast dafür deinen sicheren Job als Bankangestellter an der Nagel gehängt. Hast du das jemals bereut?
Obwohl das sicher ein riskantes Wagnis war und ich rückblickend betrachtet sicher zu viel Geld investiert habe: meine Kündigung 2004 habe ich trotzdem nie bereut. Zwar bin ich, alles zusammen genommen, sicher auf  über 300 Arbeitsstunden im Monat gekommen, aber ich kann mich richtig quälen, weil das was ich mach´, mich durch und durch erfüllt. Ehrlich gesagt: ohne die Moni und die zwei Kinder hätt´ ich das ganze Pensum mit den drei Standbeinen „Jazz & Wine, Wino und Weinhandel, aber nie und nimmer bewältigt...
Für viele doch einigermaßen überraschend, hast du deine operativen Agenden der Veranstaltungsreihe Jazz & Wine im Vorjahr an Gerald Köhler und Bernhard Wiesinger übergeben. Was hat dich dazu bewogen?
Ich habe mir eingestehen müssen, dass einer allein´ das nicht „derblast“. Aber eines war mir auch sonnenklar: Dass diese Weinviertler Kultur-Institution weiter bestehen muss. Und der Gerald und Bernhard sind ein Garant dafür. Ich kann mich jetzt relativ entspannt zurück lehnen, denn es ist einfach ein gutes Gefühl, dass mein „drittes Kind“ in guten Händen ist. Ich fungiere jetzt nur mehr als Schirmherr, oder wenn man so will als Altvate