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Jazzclub 56 Lorrach

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Der Versuch, den Moment einzufangen 

Von Ursula König Lörrach. Jump " Sprung heißt das Debüt-Album der Formation "Jürg Wickihalder European Quartet", die am Freitag im Jazztone explosiven und hochkonzentrierten Jazz auf die Bühne brachte, der zum genauen Hinhören einlud. Neben dem schweizer Saxofonisten Jürg Wickihalder machte sich auch die in allen Jazzrichtungen versierte Pianistin Irene Schweizer, zu freien und weitschweifenden Höhenflügen auf. Dafür wurden die Stücke der CD komponiert, um der "Grande Dame des Jazz" ein Sprungbrett für freie Improvisation zu bieten. Doch auch mit den beiden Rhythmikern, Fabian Gisler am Kontrabass, und dem Berliner Schlagzeuger Michael Griener, wird viel mehr als ein solides Fundament gesetzt, das die energiegeladenen Luftsprünge des Saxofonisten und die nach Freiheit strebenden und sehr virtuosen Tastenkombinationen trägt. Wie Fabian Gisler hat auch Michael Griener mit verschiedenen Formationen Erfahrungen gesammelt und erhielt 2006 beim "Neuen Deutschen Jazzpreis" die Auszeichnung als "kreativster Solist". Die Erwartungen bezüglich Jürg Wickihalder und Irene Schweizer waren um einiges größer, wurden beide doch im Vorfeld mit höchsten Lorbeeren ausgezeichnet. Die ""Spitzenklasse des Schweizer Jazz" kam da ins Spiel und die 71-jährige Züricherin ist bekannter weise in vielen Stilen daheim und wird sogar in Amerika, der Wiege der Jazzkultur, anerkannt. Sie spielt seit ihrem zwölften Lebensjahr Klavier und hat konsequent ihren Weg gesucht und verfolgt. Der Funke springt schnell auf das Publikum über. Das Quartett braucht keine Anlaufzeit, um sofort absolut präsent zu sein. Neben den Eigenkompositionen von Wickihalder, der an der renommierten "Berklee School of Music" in Boston studiert hat, gibt es vereinzelt Ausflüge hin zum eher traditionellen Jazz, und auch das Werk von Thelonious Monk wird gebührend gewürdigt. Doch neben aller impulsiven Strahlkraft kommen hin und wieder auch sehr leise Töne zum Tragen; Schwingungen und Stimmungen, die etwas Magisches ausstrahlen. Eines verbindet Publikum und Musiker: Jedes Stück ist eine spannende Reise, wie Jürg Wickihalder erklärt. "Wir wissen nicht, wohin es geht." Die Grundmotive sind notiert, dann wird improvisiert; Sprünge eben, von denen man nicht weiß, wo genau gelandet wird. Das wirkt verspielt und luftig und doch steckt gebündelte Kraft dahinter. Und der Versuch, den Moment einzufangen. Da wirkt es stimmig, wenn der Ausnahmesaxofonist seine Motivation umschreibt: "Jazz ist eine Lebenseinstellung."